Das Jahr 2008 war dominiert von einer die Weltwirtschaft schwächenden Finanzmarktkrise, die sich im Laufe des Jahres dramatisch zugespitzt hat. Die Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers am 15.9.2008 markierte dabei einen Höhepunkt. Dieses einschneidende Ereignis führte zu einem regelrechten Ausverkauf an den Weltbörsen und einer deutlichen Verschlechterung der Refinanzierungsbedingungen an den Geld- und Kapitalmärkten. Als Reaktion auf die dramatische Zuspitzung senkte eine Vielzahl der internationalen Notenbanken ihre Leitzinsen und versorgte die Geldmärkte mit zusätzlicher Liquidität. Auch die Regierungen verabschiedeten milliardenschwere Rettungspakete, die zwar zu einer Stabilisierung der Finanzmärkte beitrugen, aber noch keine Erholungstendenzen erkennbar machten. Die Unsicherheit bezüglich der weiteren Entwicklung der Weltwirtschaft war auch zu Beginn des Jahres 2009 weiter vorherrschend.
In der zweiten Jahreshälfte 2008 fand die Finanzmarktkrise auch in der Realwirtschaft ihren Niederschlag. Dies zeigte sich daran, dass die österreichische Wirtschaft im Jahresverlauf zunehmend an Dynamik verlor, sodass das reale BIP-Wachstum für 2008 1,8 % beträgt (Vorjahr: 3,1 %). Damit übersteigt es aber noch den Zuwachs des Euro-Raumes von 1,0 %.
Die gebremste Wirtschaftsaktivität spiegelt sich auch in einem geringeren Wachstum der Exporte (reales Plus von 3,6 %) gegenüber dem Vorjahr (reales Plus von 8,7 %) wider. Auch die Importe verzeichnen mit nur 2,4 % einen vergleichsweise geringen Zuwachs gegenüber dem Vorjahr.
Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,8 % der Erwerbstätigen unter dem Vorjahreswert von 4,4 %. Dies ist nur vordergründig positiv, da die Quote in der zweiten Jahreshälfte eine steigende Tendenz zeigt, die sich auch im Jahr 2009 weiter fortsetzen wird.
Die Inflationsrate erreichte im Jahr 2008 mit 3,2 % den höchsten Wert seit Anfang der 1990er. Daran hatten vor allem Steigerungen der Energie- und Nahrungsmittelpreise einen maßgeblichen Anteil. Durch den rasanten Anstieg des Preises für Rohöl wurden auch die Preise für Treibstoffe, Heizöl und andere Energieformen beeinflusst. Der nun wieder deutliche Rückgang der Rohstoffpreise wird dazu beitragen, dass die Inflationsrate im Jahr 2009 beträchtlich sinken und einen prognostizierten Wert von 1,2 % erreichen wird. Dies begünstigt die verfügbaren realen Haushaltseinkommen und somit den privaten Konsum.
Auch die Bauwirtschaft wies, nachdem sie im 1. Halbjahr 2008 noch eine kräftige Stütze im abklingenden Konjunkturzyklus gewesen war, eine deutlich gebremste Steigerung der Wertschöpfung in der zweiten Jahreshälfte aus. Der Tiefbau profitierte neben dem Straßenbau von der verstärkten Nachfrage des öffentlichen Sektors.
In Summe ist der Ausblick auf das Jahr 2009 ein getrübter: Die Auswirkungen der Krise der globalen Finanzmärkte auf die Realwirtschaft sind die Ursache dafür, dass es auch weiterhin zu keiner Besserung der Wirtschaftslage kommen wird. Vielmehr werden deren Auswirkungen auf die Realwirtschaft erst jetzt im vollen Ausmaß spürbar. Das reale BIP-Wachstum 2009 wird laut aktuellen Prognosen lediglich bei 0,5 % liegen.
Quelle: WIFO
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